Highlight: Abtauchen ins unterirdische Neapel

Napoli sotterranea in Napoli
Ein Ausflug in die geheimnisvolle Unterwelt von Neapel gehört unbedingt zu einer Stadtbesichtigung. Der Spaziergang durch die von Legenden umrankten Höhlen ändert den Blick auf die Stadt und trägt zum Verständnis ihrer jahrtausendealten Geschichte bei.
Eingang zum unterirdischen Neapel an der Piazza San Gaetano (© Umberto - Portanapoli.com)
Eingang zum unterirdischen Neapel an der Piazza San Gaetano (© Umberto - Portanapoli.com)

Tief unter den lebhaften Gassen von Neapel erstreckt sich „eine Stadt unter der Stadt“. Ein etwa achtzig Kilometer langes Labyrinth aus eindrucksvollen Höhlen, Zisternen und Brunnen zieht sich durch den gesamten Untergrund. Die Tuffsteinhöhlen liegen vierzig Meter unter der Erde und werden seit dem vierten Jahrhundert v. Chr. für die unterschiedlichsten Zwecke genutzt: Sie dienten als geheime Zufluchtsort, Kulträume, Katakomben und Abfallhalden. Während des zweiten Weltkriegs boten sie der Bevölkerung Schutz vor Bombenangriffen und retteten vielen Menschen das Leben. 

Schon vor 5000 Jahren gruben die ersten Einwohner am Golf von Neapel den gelben Vulkan-Tuffstein aus dem neapolitanischen Untergrund aus. Später benutzten ihn auch die Griechen zum Bau der Festungen, Tempel und Häuser ihrer Kolonien. Das Baumaterial wurde direkt unter dem jeweiligen geplanten Haus ausgegraben. Tuffstein ist ein ideales Baumaterial, denn er ist leicht zu bearbeiten, speichert Wärme und wirkt isolierend gegen Kälte. Später gaben die Römer der Entwicklung des unterirdischen Neapels einen wichtigen Impuls, weil sie die Höhlen mit Tunneln und Kanälen verbanden. Sie leiteten durch Aquädukte die Wasserquellen der Umgebung in unterirdische Kammern um. So konnte man von jedem Haus Wasser aus der unterirdischen Zisterne holen. Das Zisternensystem wurde bis ins 19. Jahrhundert ausgebaut.

Während des zweiten Weltkriegs waren die Höhlen Luftschutzbunker
Eindrucksvolle Zeichnungen an den Wänden zeigen die Ängste und Gedanken der Schutzsuchenden während der Luftangriffe. Die Bevölkerung Neapels musste während des zweiten Weltkriegs viele Stunden unter der Erde verbringen. Alte und kranke Menschen verlebten sogar ganze Wochen in den Höhlen, ohne das Tageslicht zu sehen. Die Menschen begannen sich unter der Erde einzurichten und statteten die Höhlen mit einer notdürftigen elektrischen Beleuchtung aus. Viele verloren durch die Bombardierungen ihr Haus und "wohnten" in einer Höhlenecke, abgetrennt mit einem Bettlaken für ein bisschen Intimität. Es wurden Toiletten gebaut und glücklicherweise gab es durch das Zisternensystem Trinkwasser.

Vor einer Höhle steht die Inschrift: „Anna e Renzo oggi sposi XX 9 1943“ (Anna und Renzo, heute Brautpaar). In Neapel wird erzählt, dass eine Hochzeitsfeier durch einen Bombenangriff jäh unterbrochen wurde. Alle Hochzeitsgäste suchten Schutz unter der Erde, unter ihnen auch der „Boss“ des Stadtviertels. Er hatte das Privileg einer eigenen Höhle, die er dem Brautpaar für die Hochzeitsnacht zur Verfügung stellte. Solche und ähnliche Geschichten von Zeitzeugen werden bei Führungen erzählt und machen die Vergangenheit lebendig.

Entstehungsort von Legenden und Aberglauben
In vielen Höhlen wohnten in vergangenen Jahrhunderten arme Familien. Hungrige Kinder schafften es manchmal, über unterirdische Verbindungen in fremde Häuser zu gelangen. Dort versorgten sie sich mit Lebensmitteln und nützlichen Gegenständen. Den "beraubten" Personen schien es, als ob die Gegenstände wie von Geisterhand verschwinden würden. Und so ist die Legende des Hausgeistes Munaciello entstanden, dem beliebtesten esoterischen Wesen Neapels. Unzählige Anekdoten ranken sich um diesen sympathischen Geist, der sich manchmal als Mönch mit Kapuze zeigt und Gegenstände über Nacht verschwinden lässt. Manche Neapolitaner glauben, der Munaciello könne auch bei der Voraussage der Lottozahlen und beim Wiederfinden verlorener Gegenstände behilflich sein. 

Es gibt in Neapel mehrere Eingänge zur neapolitanischen Unterwelt
Führungen gibt es durch mehrere Teile des unterirdischen Neapels.

Ein Eingang liegt versteckt an der Piazza San Gaetano 68 in einer kleinen Altstadtgasse.
Führungen dauern ungefähr zwei Stunden. Es werden zwei Ausflüge angeboten: „Geschichte des unterirdischen Neapels“ und „Das römische Theater“ (Teatro Romano). Letzteres wurdes erst kürzlich entdeckt. Der pittoreske Eingang zum Teatro Romano liegt in einem Basso im Vico Cinquesanto.
Öffnungszeiten, Bilder und Lageplan gibt es bei der kulturellen Gesellschaft Napoli Sotterranea.
Infos: www.napolisotterranea.org

Weiterhin gelangt man in der Nähe der bekannten Gambrinus Bar an der Piazza Plebiscito in die Unterwelt. Der Eingang ist an der Piazza Trieste e Trento (Bar Gambrinus). Für Führungen wendet man sich an die Associazione LAES, Napoli e la Città Sotterranea.
Infos: www.lanapolisotterranea.it

Tipp: Galleria Borbonica
Zum unterirdischen Neapel gehört auch der Bourbonen-Tunnel. Er hat gleich zwei Eingänge: Am Parkhaus Morelli im Stadtteil Chiaia und an der Piazza Plebiscito. Der Tunnel führt zum Palazzo Reale, dem einstigen Wohnsitz des Königs. Für den König war er ein praktischer Fluchtweg und Zugang zu Verteidigung seines Palastes. Ein Highlight sind die antiken Motorräder und Autos im Tunnel. Es werden thematische Führungen in verschiedenen „Abenteuer-Stufen“ angeboten. Eingänge: Via Domenico Morelli 40 und Vico del Grottone 4 (100 Meter entfernt von der Piazza Plebiscito).
Infos: www.galleriaborbonica.com 

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