Roman "Meine geniale Freundin" von Elena Ferrante erschienen

Sie gilt als eine der wichtigsten Romanciers der Gegenwart: Die neapolitanische Schriftstellerin Elena Ferrante, deren Romane in Italien längst Kultstatus haben. Über die Identität der Autorin, die sich hinter einem Pseudonym verbirgt, wird nach wie vor gerätselt. Nun ist der erste Band ihres Romans "L'amica geniale" endlich auch in deutscher Sprache erschienen.

Update 22.9.16: Hier geht es zur ausführlichen Buchrezension von Band 1 "Meine geniale Freundin" im Italien-Blog! 
Update 7.2.17: Ausführliche Rezension von Band 2 "Geschichte eines neuen Namens"

Lange mußten deutschsprachige Leser auf diesen Moment warten - nun ist es endlich soweit! Der Suhrkamp Verlag veröffentlicht die deutsche Übersetzung des ersten Bandes der vierteiligen Neapolitanischen Saga "Meine geniale Freundin" (ital. "L'amica geniale") von Elena Ferrante. Der in Neapel spielende Roman der mittlerweile zum Weltstar aufgestiegenen Schrifstellerin liefert ein Panorama der italienischen Gesellschaft von den 50er-Jahren bis in die Gegenwart.

Im Zentrum der Tetralogie stehen die beiden rivalisierenden Frauenfiguren Elena Greco ("Lelù"), eine Pförtnerstochter, und ihre beste Freundin Raffaella Cerullo ("Lila"). Sie wachsen beide in armen familiären Verhältnissen in einem trostlosen Viertel auf, doch ihre Leben nehmen eine ganz unterschiedliche Wendung. Während Elena studiert und eine erfolgreiche Schriftstellerin mit Wohnsitz in Turin wird, bleibt die begabte Lila in Neapel und arbeitet in der Schusterwerkstatt ihres Vaters. Eines Tages erhält Elena von Lilas Sohn einen Anruf und erfährt, dass ihre Kindheitsfreundin spurlos verschwunden ist. Die Erzählung ist aus der Sicht von Elena Greco geschrieben und man darf rätseln, ob sie autobiographische Züge trägt.

Schon lange wird über die Identität von Elena Ferrante spekuliert, die sich seit dem Erscheinen ihres Debütromans 1992 "L'amore molesto" hinter einem Pseudonym verbirgt. Handelt es wirklich um eine Frau oder steckt ein Mann hinter Ferrante? Stammt er oder sie aus Neapel? Ist der oder die Autorin vielleicht sogar eine prominente Persönlichkeit? Doch nur ihre Agentin und der Verleger kennen Ferrante persönlich. Ihr Wunsch ist es, dass die Romane für sich sprechen und im Mittelpunkt stehen sollen. Sie ist der Meinung, einmal vollendete Romane benötigen keine Autorenschaft mehr. Deswegen hält sie ihre Identität geheim und gibt nur wenige Interviews per E-Mail.

Nachdem die gesamten vier Bände von "L'amica geniale" in Italien erschienen und Bestseller wurden, kamen sie zwischen 2012 und 2015 auch im englischsprachigen Raum heraus. Schnell erlangten sie in den USA Ruhm, wozu nicht zuletzt die Berichte in der "New York Times" und im "New Yorker" beitrugen: Von der "Times” wurde sie unter die 100 einflussreichsten Personen der Welt gewählt, die Kritik des "New Yorker" von James Wood hat auch Michelle Obama zu ihren Fans gemacht. "The Guardian" bezeichnete die Neapolitanische Saga als "Das beste Portrait einer Frauenfreundschaft, dass einem in der Literatur jemals begegnet ist" (Buch-Cover). Um so weniger haben deutsche Leser bisher verstanden, warum sie sich so lange mit der italienisch- oder englischsprachigen Ausgabe ("My brilliant friend") der Romanreihe begnügen mussten.

Ursprünglich sollte der erste von Karin Krieger übersetzte Band "Meine geniale Freundin, Band 1 der Neapolitanischen Saga: Kindheit und frühe Jugend" erst am 11. September 2016 erscheinen. Nach einer Besprechung im "Literarischen Quartett" am 26. August im ZDF, wurde der Erscheinungstermin von Suhrkamp aber um zwei Wochen auf den 30. August vorgezogen.
Ein Blick ins Buch ist bei Amazon möglich, wo man es auch (vor-) bestellen kann:
Meine geniale Freundin: Band 1 der Neapolitanischen Saga (Kindheit und frühe Jugend)

Zum Erscheinen des Buches hat der Suhrkamp Verlag eine Sonderseite eingerichtet: www.elenaferrante.de

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