Der Vesuv: Die Zerstörungskraft eines alten Vulkans

Er wird auf jeder Postkarte abgebildet, fotografiert und besungen. An klaren Tagen kann man die Silhouette des Vesuvs am ganzen Golf von Neapel sehen. Fast könnte man meinen, seine imposante Schönheit sei eine harmlose touristische Attraktion. Doch der Vesuv ist ein gefährliches Pulverfaß!
Vesuv mit Sahnehäubchen im Winter (© Redaktion - Portanapoli.com)
Vesuv mit Sahnehäubchen im Winter (© Redaktion - Portanapoli.com)

Seit 1944 schläft der Vesuv  unter den Augen wachsamer Vulkanologen, die ihn rund um die Uhr beobachten. In der Vergangenheit kam es immer wieder zu Ausbrüchen des Vesuvs und es ist wahrscheinlich, daß „der Bucklige“ (Neapolitanisch: scartellato) irgendwann aus seinen Träumen erwachen wird. Was besonders erschreckend ist, weil die am Fuße des Vulkans liegenden Orte bei Neapel dicht besiedelt sind!

„Haben die Neapolitaner denn keine Angst, am Fuße eines Vulkans zu leben?“
Diese Frage wird immer wieder an die Bewohner der paesi vesuviani gestellt. Und sie antworten gelassen, der Bucklige sei trotz seines zerstörerischen Potentials „ein freundschaftlicher Begleiter“. Sie kennen sein Gesicht seit ihrer Kindheit, sie bauen auf seinem fruchtbaren Boden die aromatischen San Marzano-Tomaten und den Weißwein Lacryma Christi an. Er ist fast ein Mitglied der Familie, meistens freundlich, mit Neigung zu cholerischen Anfällen. 

Ein Ausbruch kann mehrere Wochen vorher von den Vulkanologen prognostiziert werden. Sollte sich eine Eruption ankündigen, greifen präzise und herausfordernde Evakuierungspläne: Die betroffenen Anwohner sollen dann auf mehrere italienische Regionen verteilt werden. Erst 2013 hat der italienische Zivilschutz auf Druck der Wissenschaftler die rote Zone, das gefährlichste Gebiet direkt unter dem Vulkan, erweitert. Leider kann niemand vorher abschätzen wie eine Evakuierung von rund einer halben Million Menschen tatsächlich ablaufen wird. 

Verheerender Ausbruch in Pompeji
79 n. Chr. wurde der alte Herr noch nicht überwacht und die dekadenten Pompejianer hatten nicht die geringste Chance. Innerhalb weniger Stunden begruben Lavaströme die Orte Pompeji und Ercolano (Herculaneum) unter sich. Damals forderte der Vulkan Tausende Menschenleben und verwandelte die idyllisch bewachsenen Hänge in Sand und Asche. In den archäologischen Ausgrabungen von Pompeji sieht man, wie schnell die Lava die flüchtenden Menschen unter sich begraben hat. 

Letzte Eruption in 1944
Doch seine Schlafstörungen dauern an: Auch 1631 wurden alle Siedlungen unter dem Vesuv vernichtet. Zu weiteren Eruptionen kam es in den Jahren 1794, 1906 und 1913, bis die Vulkanaktivität zwischen 1933 und 1944 schließlich einen weiteren Höhepunkt erreichte. Begleitet von Erdbeben begrub der Vulkan viele Orte unter mehr als 250 Millionen Kubikmeter Lava. Auch die in dem berühmten neapolitanischen Volkslied Funiculi, Funicula besungene Seilbahn an den Hängen des Vesuvs fiel der Lava zum Opfer.

 

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