Jedes Jahr hofft man im Dom von Neapel darauf, dass sich das Blut des Stadtpatrons San Gennaro verflüssigt. Das Blutwunder tritt nach dem Volksglauben nur auf, wenn für Neapel eine glückliche Zukunft zu erwarten ist. Tatsächlich ist es vor dem schweren Erdbeben im Jahr 1980 ausgeblieben.
Das Blut wird in einer Ampulle im Dom aufbewahrt. Messen für das Blutwunder finden am 19. September, am ersten Mai-Wochenende und am 16. Dezember statt. Das Blutwunder am 19. September, dem Festtag des San Gennaro, hat für die Gläubigen die größte Bedeutung.
Wenn das Blut sich verflüssigt, spricht man von einem Wunder, das als gutes Omen für die Stadt Neapel und ihre Bewohner gedeutet wird. Das Ausbleiben des Blutwunders wird als Vorzeichen für Unglück angesehen. Vor Katastrophen ist es tatsächlich einige Male ausgeblieben, etwa beim Ausbruch der Cholera 1973 oder vor dem schweren Erdbeben im Jahr 1980 mit über 2000 Toten.
San Gennaro (dt. „Heiliger Januarius“) ist der Stadtpatron von Neapel und die wichtigste Heiligenfigur der Einheimischen. Sie pflegen ein sehr persönliches Verhältnis zu San Gennaro, das nicht von religiöser Demut geprägt ist und tragen ihm ihre Wünsche mit Liebe vor. Doch wehe er erfüllt sie nicht!
Nach der Legende wurde das Blut des im Jahr 305 enthaupteten Märtyrers nach seinem Tod von einer Frau in einer Phiole aufgefangen. Schon in früheren Jahrhunderten soll es sich verflüssigt haben. Bis heute gilt das Eintreten des Blutwunders als glücksverheißendes Omen für den Golf von Neapel.
Die Messen im Dom S. Gennaro von Neapel folgen seit Jahrhunderten dem gleichen Ritual
Die silberne Büste des Stadtpatrons wird neben dem Altar aufgestellt. Vom abate del tesoro wird die Phiole mit dem Blut den Gläubigen gezeigt und dabei gedreht. Kurz danach beginnen die traditionellen Gebete der parenti di San Gennaro. Das sind die sogenannten Verwandten des San Gennaro, eine Gruppe gläubiger Frauen auf den vorderen Bänken.
Die Gebete steigern sich in ekstatischer Form, bis sich das Blut verflüssigt. Unter dem Jubel und Applaus der Gläubigen beginnen die Domglocken zu läuten. Viele Kirchenbesucher drängen sich um den Altar, um die Ampulle mit dem Blut zu küssen.
Religion oder Aberglaube?
Am stets überfüllten Gottesdienst im Dom von Neapel nehmen hohe kirchliche und politische Würdenträger teil. Bis heute wurde das Blutwunder aber nicht offiziell von der katholischen Kirche anerkannt. Sie toleriert jedoch den tief verwurzelten Volksglauben der Neapolitanerinnen und Neapolitaner.
Kleine Chronik des Blutwunders von San Gennaro
Eindrücke aus vergangenen Jahren
In der Regel verflüssigt sich das Blut dreimal im Jahr. Hier findest du einige beispielhafte Archiv-Berichte, die das feierliche Ereignis in verschiedenen Jahren dokumentieren. Wichtig: Eine vollständige Auflistung aller Blutwunder der letzten Jahre ist dies nicht!
2024
Am Festtag des San Gennaro, dem 19. September 2024 hat sich im Dom von Neapel wieder das sogenannte Blutwunder ereignet. Das Blut hat sich am 19. September 2024 um 10 Uhr zu Beginn des Gottesdienstes verflüssigt. Es wurde wie gewohnt vom langanhaltenden Applaus der Gläubigen begleitet. Doch nicht nur die gläubigen Messebesucher, sondern alle Einheimischen freuen sich darüber, dass sich das Blut des Stadtpatrons verflüssigt hat.
2022
Am 19.09.2022, dem Festtag des San Gennaro, hat sich im Dom von Neapel wieder das Blutwunder ereignet. In Neapel ist man glücklich darüber, dass sich auch in 2022 das sogenannte Blutwunder ereignet hat. Am 19. September 2022, um 9.26 Uhr, hat sich das Blut des Heiligen im Dom von San Gennaro in seiner Ampulle verflüssigt.
2013
Am 19. September 2013 um 9.41 Uhr hat sich das Blut des Stadtpatrons San Gennaro (Hl. Januarius) in der Ampulle verflüssigt. Die gute Nachricht wurde unter dem begeistertem Applaus der Gläubigen im Dom von Neapel vom Kardinal Crescenzio Sepe bekannt gegeben. J
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